fiktion
04/29/2026
Erinnerung an: einen warmen Tag im späten April, im Mietwagen fahren wir die Küste entlang Richtung… nein, nein, wir sind richtungslos. Nackte Füße im eisigen Wasser vor Cape Cod, ich freue mich am sehnigen Spiel der Zehen im Sand, schüttle im Lauf den Winter aus den Knochen.
Drei Jahre habe ich mich diesem Ort verweigert, es sollte dies nur eine Station sein, an die mich der Ehrgeiz eben gespült hat: zum Doktor wird man mich machen, so schnell wie möglich möchte ich wieder fort, provinziell, eng, elitär sei der Nordosten, so beschreibe ich es den Daheimgebliebenen. Im Meer, an einem warmen Tag im späten April, verschiebt sich die Wahrnehmung. Ein Gefühl des Ankommens, der Öffnung für Land und See. Was das bedeutet wird mir erst in den Tagen darauf klar: ich bin mit diesem Ort nun verbunden, er ist ein Teil von mir, ich werde all das vermissen, wenn ich wieder fort muss, meine Sehnsucht, so ist zu erwarten, wird in diese Richtung fließen, das macht mir übrigens Angst. Ich knüpfe im Leben Orte und Verbindungen, lasse sie zurück, trauere dann jahrelang um all das, was hartnäckig im Rückspiegel kleben bleibt und von dort aus meine Wunschwelt, so kann man es sagen, in Geiselhaft hält (Stockholm Syndrom).



